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Blog des ReiseCenter Pinneberg - Reisecenter Pinneberg


Von Bergen nach Kirkenes, ein Reisebericht von Dieter Freitag

kirkenes

Eine meiner schönsten Reisen unternahm ich vom 14.9. bis 24.9.2012 mit Hurtigruten von Bergen nach Kirkenes mit dem zur Zeit einzigen “Museumsschiff” der Hurtigruten, der LOFOTEN, die aber immer noch ihren Dienst als Postschiff versieht. Das Schiff wurde 1964 gebaut. Die LOFOTEN ist also noch ein Schiff, wie man es sich vorstellt. Es ist ein sehr schönes Schiff. Es verfügt nur über einen Propeller (Schraube) und über keine Bug- und Heckstrahler wie die modernen Schiffe der Hurtigruten. Und auch im übrigen ist die Ausstattung nostalgisch mit viel Messing und dunkler Holztäfelung und teilweise spartanisch wie z.B. die Innenkabinen. Eine Doppel-Außenkabine zur alleinigen Nutzung, wie ich sie hatte, bietet dann schon Luxus mit Duschbad (modernisiert), kleinem Schreibtisch und doppelter Spindkapazität.

Mit meinem ältesten und besten Freund hatte ich ganz bewusst diese Reise bereits 2011 mit dieser alten maritimen Dame ausgewählt, weil nicht sicher war, ob sie auch noch in den Jahren nach 2012 fahren würde. Inzwischen steht fest, daß sie wohl noch bis 2019 Dienst tun wird. Auch ihre geringe Größe war ein Entscheidungskriterium. Wie ich später erfuhr, befanden sich durchschnittlich 120 Passagiere an Bord. Die LOFOTEN ist eben kein Hotelschiff im Unterschied zu den modernen Hurtigruten-Schiffen. Die internationalen Passagiere - Japaner, Chinesen, Indonesier, Inder, Amerikaner, Europäer und natürlich auch Norweger - hatten sich aus den gleichen Gründen wie wir für dieses alte Schiff entschieden. Es gab daher auch keine Beschwerden über fehlende Fernseher oder mangelnde ständige Beschallung oder Unterhaltungsprogramme.

Am 17.9. legte das Schiff planmäßig und pünktlich um 20 Uhr ab. Ich ging als einer der letzten Passagiere nach unbürokratischem Einchecken und kurzer Unterweisung in die Sicherheitsvorschriften an Bord. Hierzu gehört auch die Verpflichtung, sich vor dem Betreten des Restaurants und bei Rückkehr von Ausflügen jeweils die Hände zu desinfizieren.

Bevor ich auf Einzelheiten und Besonderheiten der Schiffsreise eingehen werde, möchte ich klarstellen, daß ich die Reise nach Bergen nicht per Flug von Hamburg unternahm, sondern mit der COLOR FANTASY, einem Luxus-Fährschiff von Kiel nach Oslo, so daß ich beim Betreten der LOFOTEN den krassen Unterschied besonders deutlich empfand. Die COLOR FANTASY wählten wir auch wegen des besonderen Erlebnisses der Fährfahrt über die Ostsee. Außerdem hatte ich eine Übernachtung in Oslo eingeplant, um Zeit für die Besichtigung des Edvard Munch-Museums und Sightseeing zu haben.

oslo

Die Stadtrundfahrt begann auch unmittelbar nach dem Ausschiffen am nächsten Tag gegen 10 Uhr. Erst nach rund 3 ½-stündiger Stadtrundfahrt erfolgte der Transfer zum THON-Hotel gegenüber dem neuen Opernhaus und quasi neben dem Hauptbahnhof. Die THON-Hotels sind wegen ihrer Lage und wegen ihres vorzüglichen Frühstückbuffets sehr zu empfehlen Die Wahl dieser Hotels hatte aber auch den Grund, weil ich am nächsten Tag mit der Bergenbahn - „die schönste Bahnstrecke der Welt”- 7 ½ h - nach Bergen reisen wollte. Auch diese eindrucksvolle Bahnreise kann ich nur empfehlen in Kombination mit einer Übernachtung in Bergen und der Möglichkeit, von Bergen mit einem Express-High-Craft-Zweirumpfboot in den längsten und tiefsten Fjord, den Sognefjord, bis ans Ende bis Flam zu fahren. Von dort fährt dann die Flam-Bahn durch ein langes Tal mit steil aufragenden Bergen und zahlreichen Wasserfällen bis nach Myrdal. Ich habe die Fahrt mit der Flam-Bahn  wegen der abwechslungsreichen Landschaft als noch spektakulärer und dramatischer empfunden. In Myrdal trifft die Flam-Bahn auf die Bergenbahn, mit der man wieder nach Bergen kommt.

Die Fahrt durch den Sognefjord mit schnellen Wetterwechseln, gefächerten Regenbögen und den bis zu 1.300 m hohen Bergen und die Bahnfahrt in purer Naturschönheit rechtfertigt die auch anstrengende Tagesreise. Ich möchte diese Exkursion nicht missen. Sie war ganz bewußt so geplant und vorher bereits in Deutschland gebucht ebenso wie der Aufenthalt in Kirkenes verbunden mit einer reizvollen Flussbootfahrt zur norwegisch-russischen Grenze.

Alle anderen Ausflüge während der Hafenaufenthalte sind erst an Bord zu buchen. Hervorheben möchte ich eine Speedboot-Fahrt  von Ornes zum stärksten Gezeitenstrom der Welt bei Saltstraumen mit mehr als 3 m tiefen Strudeln. Die Fahrt, die mit 30 km/h bei schönstem Wetter übers Meer zu der Engstelle führte, war ein großartiges Naturschauspiel, und ließ meine ursprünglichen Bedenken schnell verfliegen. Unsere junge Bootsführerin war bemüht, Vertrauen aufzubauen: „Wir haben noch nie Hubschrauberhilfe anfordern müssen.”

Die Ausflüge in Tromsö und Trondheim sollte man in jedem Fall machen. Ein „muß” ist m. E. die Busfahrt zum Nordkap. Freunde, die die Fahrt gemacht haben, erzählten später, daß die Busfahrt das Schönste gewesen sei, sie hätten schlechtes Wetter gehabt. Wir hatten dagegen trockenes, windstilles Wetter und gute Sicht. Ich konnte sogar zwei Skizzen machen, da wir 1 ½ h Aufenthalt hatten. Und außerdem waren nur die Passagiere der LOFOTEN anwesend!, von wenigen Privatfahrzeugen abgesehen.

Zum Schluß meines kurzen Berichts noch einige Bemerkungen zum Leben an Bord. Das Essen war vorzüglich, das gilt sowohl für das Frühstücks- und Mittagsbuffet mit freier Platzwahl als auch für das Dinner mit festem Platz. Gegessen wurde in zwei Partien, nämlich in der Regel um 18 und 20 h wegen der nicht ausreichenden Größe des einzigen Restaurants. Das Abendessen wurde in der Regel serviert. Eine Ausnahme war das Abendbuffet am vorletzten Tag mit viel Fisch, Krustentieren und Lobster satt. Es gab sogar die berühmten Fischzungen, die ich auch probiert habe. Sie sind durchaus auch für Nichtnorweger genießbar.

Das Service-Personal war ausgesucht freundlich und zuvorkommend. Verständigungsschwierigkeiten gab es nicht. Kleidungsvorschriften gab es erfreulicherweise auch nicht. Kapitän und Offiziere speisten im Restaurant zusammen mit den Passagieren.

Der legere Umgang an Bord begünstigte ganz offensichtlich das Kennenlernen anderer Passagiere.

Das gute Wetter während der gesamten Reise war stabil, von kurzen Regenschauern abgesehen, die nun mal landestypisch für diese Breiten sind. Ich habe niemanden sich übergeben gesehen. Ich hätte die See lieber etwas bewegter gehabt. Leider ging die LOFOTEN wie das berühmte Buttermesser durch die See. Die ruhige See hatte für mich aber auch den Vorteil, wenigstens einige Skizzen in mein Reisetagebuch von Bord aus zu machen.

fjord

Und auch mein Schlaf war nicht beeinträchtigt. Gegen das Maschinengeräusch halfen Ohrstöpsel. Das schwache Vibrieren habe ich sehr schnell nicht mehr registriert. Insgesamt also eine großartige Reise. Wer allerdings den Luxus bevorzugt, sollte eines der großen Hotelschiffe wählen.

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Die Reise hat Herrn Freitag erneut schöpferisch inspiriert und er hat einige Schiffsmodelle geschaffen.

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Info:
Von Bergen nach Kirkenes, ein Reisebericht von Dieter Freitag ist Beitrag Nr. 781
Autor:
admin am 21. Oktober 2012 um 22:18
Kategorie:
Skandinavien
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