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Blog des ReiseCenter Pinneberg - Reisecenter Pinneberg


Studiosus-Wanderreise vom 25.7. bis 3.8.2015 -„Natur auf den Äußeren Hebriden erwandern“

Ein Reisebericht von Dieter Freitag

Dieter Freitag

Ich schicke voraus, daß diese Reise für mich traumhaft schön war. Ich würde sie wiederholen, wenn ich dazu auf Grund meines Alters und meiner Fitness in Lage wäre und nicht noch andere Reiseträume hätte.

Die Reisebeschreibungen sind eher abschreckend: Dauerwind mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 80 Km/h und Dauerregen, kein Handyempfang sowie Einstellung des Fährverkehrs. Im Tagebuch des Dr. Samuel Johnson von Samuel Bosswell „nach den Hebriden” (1774) und bei Theodor Fontane „Jenseits des Tweed” und auch in einem modernen Krimi-Bestseller von Simon Beckett „Kalte Asche” bekommt man einen entsprechenden Vorgeschmack. Meine Frau meinte denn auch, daß wohl nur Verrückte dorthin fahren würden. Nichts davon erwies sich als zutreffend. Genau zwei Stunden Regen mit Starkwind von etwa sechs Windstärken hat uns eine Wanderung auf Barra erschwert. Ich habe diese Strapaze nicht bereut, weil es wohl eher die wirklichen Wetterverhältnisse waren, mit denen die Inselbevölkerung leben muß. Die übrige Zeit auf den Inseln - fünf Tage- hatten wir trockenes, überwiegend freundliches und sonniges Wetter und kaum nennenswerten Wind. Wir hatten es wohl täglichen kleinen Zwischenhochs zu verdanken. Die kurzen Regenschauer sind wirklich keiner Erwähnung wert.

Bevor es auf die Inseln geht, sind mehr als 300km Busfahrt zu überstehen. Sie führt von Aberdeen, der Stadt zwischen den Flüssen Don und Deen, zu dem Fährhafen Ullapol. Als besondere Sehenswürdigkeit während dieser Fahrt überrascht in Forres der sogenannte Pictenstein, eine 7m hohe monolithische Sandsteinstele, die Kriegsszenen zwischenPicten und Scoten oder zwischen beiden und Norwegern darstellt. Der Stein ist durch eine Panzerglas-„Vitrine” geschützt.

Der zweite Höhepunkt ist Cawdor Castle mit seinen farbenprächtigen Gärten und darin aufgestellten Kunstwerken. Das Schloß , das auch besichtigt werden kann, ist ein Mischmasch von Neo-Gothik und Neo-Renaissance und anderen architektonischen Zutaten, wie sie Queen Victoria und Gemahl Albert vorgegeben und die vom Adel nachgemacht wurden: kleine Erker und Türmchen und Blindpechnasen sowie Zinnen. Schön war die etwa zwei-stündige Wanderung durch den umgebenden, mehrere hundert Jahre alten Wald mit teilweise exotischen Bäumen, ein wirklicher Zauberwald.

Natürlich gehört auch die Besichtigung einer Whisky-Destille zum Programm. Die Destille TOMARTIN, jetzt in japanischem Eigentum, ist die größte ihrer Art. Ich empfand die Besichtigung als langweilig. Das lag wahrscheinlich daran, daß ich bereits andere Whisky-Destillen besichtigt habe. Aber der winzige Probeschluck tat gut und belebte für die Weiterfahrt.

Noch belebender war für mich die erste Strand- Wanderung auf der Black Isle zwischen Cranmarty Firth und Beauty Firth. Die Wanderung fand direkt am Strand statt. Hier fand ich erstmalig reichlich Meerglas, das am Ostseestrand schon selten geworden ist, insbesondere das farbige. Einige Damen überließen mir ihre Funde, so daß ich schnell meine Tasche füllen konnte.

Die Überfahrt von etwa 3 Stunden mit der in Flensburg gebauten Schnellfähre von Ullapol nach Stornoway/ Insel Lewis, dem Hauptort der Äußeren Hebriden, verlief völlig ruhig, also keine rauhe keltische See, wie ich sie mir gewünscht hätte. Wegen der späten Ankunft gegen 20 Uhr ist nur noch Zeit für das Abendessen.

Am nächsten Tag findet gegen 10,10 Uhr die erste Inselwanderung statt, und zwar bei fast sonnigem Wetter. Die Wanderung wird daher ein erstes großartiges Naturerlebnis einerseits durch die Blumenvielfalt und andererseits durch die gigantischen Kliffs und goldenen Sandstrände, die im Sonnenlicht aufleuchten. Wir profitieren vom ersten kleinen Zwischenhoch!

Heute bekommen wir die wenigen aber berühmten Sehenswürdigkeiten der Äußeren Hebriden zu sehen: die Standing Stones of Carloway (Steinsetzungen) , den besterhaltenen Broch (Turm, 9m hoch, ca.2000 Jahre alt) und die nicht mehr bewohnten, mit Stroh gedeckten Black Houses. Genaueres liest man besser in den Reiseführern.

Wir durchschreiten die wenigen unbewohnten Black Houses (aus Trockenmauerwerk im Unterschied zu den White-Houses aus gemörteltem Mauerwerk) und beginnen hier unsere zweite Wanderung- wieder entlang der Küste. Der großartige Blick auf die türkisfarbene See und die umbrandeten Kliffs bzw. Steilküsten lösen immer wieder Ahas aus.

Die Wanderung endet heute zum zweiten Mal an einem Friedhof weit draußen auf der grünen Wiese und Blick auf einen goldgelben Strand mit gewaltigen weißen Brechern, auf denen auch vereinzelt gesurft wird.

Am nächsten Tag herrscht bereits gegen 8 Uhr purer Sonnenschein, wohl 9°C. Heute auf Harris erfahren wir noch eine Steigerung des gestrigen guten Wetters, während in Deutschland schlimmes Wetter herrschen soll mit Starkregen und Kälte.

Fahrt über die Berge nach South Harris bis Northon. Hier beginnt unsere Strand-Kliff-Wanderung. Sie übertrifft alles an Schönheit. Die aufgelockerte Bewölkung läßt die beiden goldfarbenen Strände fast weiß aufleuchten. Das optimale Wetter dauert auch während unseres Picknicks am zweiten Strand unterhalb der Kirchenruine Toe Head bzw. The Temple an. Ich entferne mich vor Beendigung des Picknicks und steige zur Ruine hinauf, um dort eine Skizze zu machen.

Auch der Rückweg zum Bus auf anderen Wegen verläuft bei schönem Wetter, während es im Norden regnen soll, verkündet unser exzellenter Reiseleiter Joachim Straub aus Heidelberg.

Am 30.7. geht es weiter nach BARRA (als Garten der Hebriden bezeichnet), jedoch mit späterem Start als geplant, weil unsere Fähre ausgefallen ist, so daß intensive Bemühungen von Reiseleiter und Hotelchefin um eine Ersatzfähre erforderlich sind. Diese sind letztlich erfolgreich, bedingen jedoch auch eine zeitliche Umplanung. So kommt es zu einem „ Zwangsaufenthalt” in Tarbert, einem kleinen Hafenort, den wir bereits gestern, kennengelernt haben anläßlich der Besichtigung einer Tweed-Weberei. Übrigens ist der berühmte Harristweed nur dann ein Original, wenn er mit dem Harris-Tweed -Siegel versehen ist.

Ich habe durch den „Zwangsaufenthalt” Gelegenheit für eine Skizze auf einen Zweimastsegler „Flying Dutchman”.

Die Weiterfahrt erfolgt bei strahlendem Sonnenschein auf der „Golden Road” (weil sie so viel gekostet hat), einer Single Track Road, die wegen ihrer geringen Breite, die ganze Aufmerksamkeit unseres Busfahrers Alan Wylie erfordert. Picknick am Strand mit Orkney Cheddar und einer kleinen Flasche Rotwein.

Die erste Fähre bringt uns nach einer Stunde nach North Uist. Diese Insel durchqueren wir ohne Unterbrechung. Über Dämme erreichen wir die Inseln Benbecula und South-Uist, die aus viel Wasser bestehen. Auch die kleine Insel Eriskay erreichen wir über einen kurzen Steindamm gegen 18,35 Uhr. Hier geht es alsbald wieder auf eine Fähre. Sie bringt uns um 19,45 Uhr nach Barra. Eine halbe Stunde später bringt uns unser Bus zum „ Isle of Barra Beach Hotel”. Es liegt traumhaft schön direkt an einer Bucht bzw. bei Ebbe an einem paradiesischen breiten Sandstrand, der auch berühmt ist durch den 1953 gedrehten Schwarz-Weiß-Film „The Whisky Galore” (Strandung eines Whisky-Schiffs). Das Hotel mag einfach sein, jedoch kann es kompensieren mit der Toplage. Das Hotel ist fast minimalistisch ausgestattet mit schönem Schwemmholz und maritimen Dekos. Mir hat die Naturkunst sehr gefallen. Die Hotelier-Familie war sehr freundlich und hilfsbereit. Die Hotelchefin tauschte auf meinen Wunsch sogar eine gefundene und für meinen Koffer zu große Netzkugel gegen eine kleinere. Für die Fotokopie meiner Skizze des Hotels erhielt ich sogar ein zusätzliches Souvenir. An diesem wunderschönen Platz bleiben wir Gott sei Dank drei Tage und Nächte - nur ca. 50 Meter zum Strand und sämtliche Zimmer mit Blick auf die Bucht!

Vom Hotel bringt uns der Bus nach Eoligarry, wo unsere 2,5 stündige Morgenwanderung stattfindet. Ein kleiner Aufstieg ermöglicht tolle Blicke über Barra und zu den südlichen Inseln- wieder ein wunderschönes Panorama!

Die Mittagspause in Castlebay nutze ich für eine Skizze des Kisimul Castle und habe im Cafe Kisimul noch Zeit für eine Linsensuppe.

Die nächste zauberhafte Wanderung machen wir auf der kleinen Insel Vatersay mit weißen Stränden, türkisfarbenem Meer und überwölbt von großen, weißen, scharf konturierten Wolken, ideal für alle Fotografen. Der Vergleich mit der Karibik ist nicht abwegig. Diese quasi exotische Farbkombination löst schon Glücksgefühle aus. Ich finde auf dem menschenleeren Strand einen großen gelben Fender/Boje, leider zu groß fürs Gepäck. Kurz vor dem Ende und Ziel unserer vor letzten und wohl schönsten Wanderung, der weltweit einzige Airport, wo Starts und Landungen bei Ebbe auf dem Strand stattfinden, überrascht uns ein nur wenige Minuten währender Hagelschauer. Besonders erwähnenswert ist die Vielfalt der Blumen, insbesondere die massenhaft blühenden Orchideen.

Eine weitere kleine Wanderung führt uns zu einer Ansammlung von Hausruinen, die mitten in der weiten Landschaft liegen, jedoch ein seltenes Fotomotiv abgeben.

Abends im Hotel gibt es auf Wunsch Jakobsmuscheln auf Black-Pudding, wohl eine seltene Kombination. Auf jeden Fall habe ich nun endlich auch Black-Pudding probiert. In diesem Hotel gab es als Vorspeise auch den berühmten Haggis, jedoch leider oder Gott sei Dank nur in Spuren und überdeckt von Whisky-Soße. Vermißt habe ich hier zum Frühstück Porridge, von dem ich mir in Stornoway sogar immer einen Nachschlag holte.

Auf Barra, für mich die schönste Hebriden-Insel, endet unser Aufenthalt auf den Äußeren Hebriden.

Fünfstündige Fährfahrt von Castlebay nach Oban, eine Übernachtung in Glasgow und Busfahrt zum Flughafen Edinburgh.

Insgesamt eine großartige und selten schöne Wanderreise. Noch ein Tip zum Schluß:

Man sollte diese Reise so früh wie möglich buchen oder sich besser sogar vormerken lassen. Das Interesse ist überraschend groß und andererseits sind größere Hotels auf den Inseln rar.

Hier noch einige bildliche Impressionen von der Reise:

bild5

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Info:
Studiosus-Wanderreise vom 25.7. bis 3.8.2015 -„Natur auf den Äußeren Hebriden erwandern“ ist Beitrag Nr. 984
Autor:
admin am 11. August 2015 um 09:20
Kategorie:
Großbritannien
Tags:
 
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2 Kommentare »

  1. mickey

    ein wunderschöner reisebericht! …danke für’s mitnehmen und für die herrlichen bilder.
    lg mickey

    #1 Comment vom 17. August 2015 um 14:13

  2. Dagmar Thielecke

    Lieber Herr Freitag,

    zuerst möchte ich mich recht herzlich für Ihre Post bedanken! Die Kunstwerke sind ja wirklich sensationell!
    Ihr Reisebericht trifft auch mein Empfinden! Ich muss oft an die wunderbaren Farben und die tolle Natur denken.
    Mich hat der stressige Alltag wieder!
    Im Herbsturlaub geht es wieder an die See! Mal sehen, was sich dann am Strand finden lässt!

    Liebe Grüße und alles Gute

    Ihre Dagmar Thielecke

    #2 Comment vom 06. September 2015 um 11:16

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